Geschichte der Reanimation

Der Versuch, seinen verunglückten Mitmenschen dem drohenden Tod zu entreißen, wird wohl so alt sein wie die Menschheit selbst. Die Maßnahmen, die man dazu ergriff, waren zunächst vom Instinkt, dann von der Empirie geleitet. Wie sollte der Mensch der Urzeit unterscheiden, ob sein reglos daliegender Hordengenosse nur bewusstlos oder schon tot war? Fehlten äußere Verletzungszeichen, schlief er ja vielleicht nur. Sichere oder unsichere Todeszeichen, abgesehen von der Fäulnis, waren unbekannt.

So sind die ersten uns überlieferten „Wiederbelebungsmaßnahmen“ unterschiedlich ausgelöste massive Schmerzreize, um so einen Zustand des Schlafes aufzuheben. Beispielhaft sind die Anwendung glühender Holzkohle, heißer Asche sowie Güsse mit siedendem Öl oder Wasser und so genannte Flagellationen zu nennen. Die durch intensive Schmerzreize stimulierte Freisetzung von Katecholaminen hat tatsächlich in Zuständen einer schweren Kreislaufdepression positive Wirkungen gezeigt.

Bei dem Versuch, die unendliche Geschichte „Notfallmedizin und Rettungsdienst“ darzustellen, folge ich der Meinung von Peter Safar, der 1958 durch die Kombination von zwei längst bekannten Methoden, nämlich der Atemspende und der extrathorakalen Herzmassage, den Zugang zu einer neuen medizinischen Spezialität erschloss:

„Der Rückblick in die Vergangenheit ist das Fundament, um das Heute zu verstehen und das Morgen zu planen.“

Immer wieder zeigte es sich, dass es viele bekannte und unbekannte Vordenker gab, denen wir noch heute Anerkennung und Respekt schuldig sind – aber für viele Bahn brechende Ideen war die Zeit noch nicht reif.