Geschichte der Reanimation

TECHNIKEN

Schon seit Jahrhunderten wird versucht, Menschen, die keine klaren Lebenszeichen mehr zeigen, wieder ins Leben zurückzurufen. Dabei gab es verschiedene Versuche, leblose Personen durch laute Ansprache, Berührung, Atemspende und Thoraxkompression zu reanimieren.


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1856: Methode nach Marshall Hall (* 1790 – 1857)

Das Verfahren nach Marshall Hall wird im Buch: „Ratgeber in gesunden und kranken Tagen“ wie folgt beschrieben:

„(…) Verfahren nach Marshall Hall. (…) Der Scheintote wird ebenfalls entkleidet, in die Bauchlage gebracht, während unter der Brust ein zusammengelegter oder gerolltes Tuch oder Kleidungsstück (auch Decke) liegt und die Stirn auf dem einen untergelegten Arm ruht. Nachdem nun durch kräftigen Druck auf die Schulterblattgegend die Luft aus dem Brustkasten gepreßt ist (Zustand der Ausatmung), wird der Körper langsam und vorsichtig auf die eine Seite gewälzt (zustand der Einatmung), um dann wieder rasch auf den Bauch umgelegt und durch jenen Druck auf die Schulterblattgegend wieder belastet zu werden. Dieses Hin- und Herwälzen aus der Bauchlage bald nach der einen, bald nach der anderen Seite, geschieht 15mal in der Minute. (…)“

QUELLE: (Autor nicht bekannt): Ratgeber in gesunden und kranken Tagen (Zweiter Band)
Ein Lehrbuch vom menschlichen Körperbau und ein ärztlicher Hausschatz für alle Krankheitsfälle
Dr. Karl Mener G.m.b.H., (Jahr nicht bekannt), S. 1109 ff.


 1858: Methode nach Henry Silvester (* 1828 – 1908)

Henry Robert Silvester beschrieb eine neue Methode der Wiederbelebung die durch aktive Armbewegungen des Patienten erfolgt:

„The resuscitator should place himself behind the asphyxiated person and should raise the person’s arms above the head, then lower them while at the same timepressing gently against the sides of the lower chest.“

Die Methode nach Silvester wird im Buch: „Amtliches Unterrichtsbuch des Deutschen Roten Kreuzes [1930]“ wie folgt beschrieben:

„(…) Nachdem die hervorgezogene Zunge des Scheintoten durch Festbinden oder Einklemmen vorgestreckt gehalten ist, kniet der Helfer zu Häupten des Scheintoten, faßt dessen hinter den Kopfgelegte Arme am Ellenbogen, bewegt sie bei „Eins!“ nach abwärts und drückt sie bei „Zwei!“ von beiden Seiten an den Brustkorb. (Ausatmung.)Methode nach SilvesterDann führt er nach kurzer Pause die Arme auf „Drei!“ an den Ellenbogen wieder nach beiden Seiten breit in weitem Bogen dicht über den Boden hinauf bis über den Kopf des Scheintoten (Abb. 116, 117), wodurch die Brust wieder erweitert wird (Einatmung), und hält bei „Vier!“ einen Augenblick still. Darauf beginnt er von vorn.(…)“

QUELLE: Deutsches Rotes Kreuz: Amtliches Unterrichtsbuch des Deutschen Roten Kreuzes für die Sanitätskolonnen, Pflegerschaften und Samaritervereine vom Roten Kreuz
Deutsches Rotes Kreuz, 1930, S. 147 – 150


1869: Methode nach Benjamin Howard (* 1836 – 1900)

Howard versuchte eine Belüftung der Lungen durch eine aktive Kompression des Brustkorbes zu erreichen. Die „Einatmung“ erfolgte durch das Zurückfedern der Rippen, also passiv.

Methode nach Howard„(…) Deshalb muss der Helfer auch die Beatmung nach Howard beherrschen. Sie greift an den Brustkorb unmittelbar an. Der Helfer kniet, das eigene Gesicht dem des Scheintoten zugewendet, rittlings über den Scheintoten, etwa in Hüfthöhe, legt beide Hände flach ausgebreitet unterhalb der Brustwarzen auf den untern Teil des schon durch die Lagerung (…) möglichst erweiterten Brustkorbs, drückt diesen, sich niederbiegend langsam und gleichmäßig aber mit voller Kraft nach rückwärts und aufwärts zusammen – Ausatmung – (Abb. 119), erhebt sich dann wieder und läßt dabei schnell los (Abb. 120), damit sich der Brustkorb wieder ausdehnen kann, um nach der dadurch erfolgten Einatmung das taktmäßige Zusammenpressen und Loslassen weder zu beginnen.(…)“

QUELLE: Deutsches Rotes Kreuz: Amtliches Unterrichtsbuch des Deutschen Roten Kreuzes für die Sanitätskolonnen, Pflegerschaften und Samaritervereine vom Roten Kreuz
Deutsches Rotes Kreuz, 1930, S. 150 f.


1904: Methode nach Edward Schäfer (* 1850 – 1935)

Die Methode nach Schäfer ist ähnlich der von Howard. Allerdings wird hier die aktive Kompression auf den Rücken des Patienten ausgeübt. Das Buch erklärt die Durchführung wie folgt:

Methode nach Schäfer„(…) Zu erwähnen ist auch noch die künstliche Atmung nach S c h ä f e r (Abb. 121, 122). Sie wird in Deutschland wohl nur noch von der (Wasser-) Lebensrettungsgesellschaft verwendet. Der Ertrunkene wird dabei auf den Bauch gelegt, der Kopf nach einer Seite gedreht und auf die unter ihn gezogenen Arme gelegt. Hierauf wird in gleicher Zeitfolge wie sonst von dem rittlings über den Beinen des Scheintoten knieenden Helfers mit beiden gespreizten Händen ein kräftiger Druck auf die unteren Rückengegenden ausgeübt, so daß der Brustkorb sich verkleinert und die Luft aus den Lungen entweicht, dann losgelassen, wobei die Wiederausdehnung des Brustkorbs die Ausdehnung der Lungen bewirkt und so Einatmung eintritt.(…)“

QUELLE: Deutsches Rotes Kreuz: Amtliches Unterrichtsbuch des Deutschen Roten Kreuzes für die Sanitätskolonnen, Pflegerschaften und Samaritervereine vom Roten Kreuz
Deutsches Rotes Kreuz, 1930, S. 151 – 153


1911: Wiederbeleber Inhabad nach Dr. Fries

wird ergänzt …

Das InhabadgerätQUELLE: Deutsches Rotes Kreuz: Amtliches Unterrichtsbuch des Deutschen Roten Kreuzes für die Sanitätskolonnen, Pflegerschaften und Samaritervereine vom Roten Kreuz
Deutsches Rotes Kreuz, 1930, S. 153 f.


1932: „Rocking“ Methode nach Frank Eve (* 1871 – 1952)

wird ergänzt …

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QUELLE: Leon Shloss: „Fifty Chances a Day to save a life“, Popular Sience, 1946, S. 103 – 106


1938: Methode nach Kohlrausch

Selbst drei Jahrzehnte später blieben die Methoden nach Silvester, Howard und Schäfer Standard. Lediglich die Methode nach Kohlrausch kam hinzu. Sie bewirkte eine Ventilation durch Armbewegungen ähnlich der Methode nach Silvester. Allerdings entfällt das Festbinden der Zunge, da die Atemwege in Seitenlage frei sind. Das Buch „Richtig helfen [1941]“ erklärt die Methode so:

Methode nach Kohlrausch

„(…) Der Scheintote liegt auf der rechten Körperseite, das rechte Bein in der Verlängerung der Körperachse, das linke in Hüfte und Knie rechtwinklig abgebogen, der rechte Arm geradeaus, der Kopf in Seitenlage. Der Retter kniet in Schulterhöhe hinter dem Scheintoten, ergreift mit beiden Händen seinen linken Arm am Ober- und Unterarm und drückt ihn gegen die Herzgegend (Ausatmung). Dann hebt er den Arm über den Kopf hinaus, bis er den Boden berührt (Einatmung). Polsterung ist keine nötig, der Rhythmus ist wie immer zehn bis fünfzehn in der Minute. (…)“

QUELLE: Dr. Wilhelm Diwok: Richtig helfen bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen
Verlag Alwin Fröhlich, 1941, S. 55 f.


1978: Herzdruckmassage mit dem Fuß

Am 09. Juni 1978 veröffentlichten zwei Mediziner aus Cleveland, L. H. Bilfield und G. A. Regula, einen kurzen Bericht über eine neue Technik zur äußeren Herzdruckmassage. Sie beschreiben eine Methode der Thoraxkompression mit Hilfe des Fußes anstelle der bisher üblichen Hand. Damit stellten Sie die bisherige Einheitlichkeit der Methode zur Wiederbelebung in Frage. In der Fachzeitschrift „Der Rettungssanitäter“ von 1979 wird die Methode so beschrieben:

„Der Betroffene liegt auf dem Rücken, der Helfer steht dicht daneben. Nachdem er seinen Schuh ausgezogen hat, tastet der Helfer mit seiner großen Zehe kurz den Schwertfortsatz (Processus xiphoideus) und setzt anschließend die Ferse auf den Druckpunkt 5 Zentimeter oberhalb des Processus xiphoideus. Nur die Ferse berührt die Körperoberfläche! (…)“

Die Methode konnte sich nach einigen Studien nicht durchsetzten und geriet in Vergessenheit.

QUELLE: Hubert Böhrer: „Herzdruckmassage mit der Ferse“, Der Rettungssanitäter, 03/1979, S. 26

QUELLE: Dr. P. Sefrin, Dr. M. Albert: „Ergebnisse und Erfahrungen der Herzdruckmassage mit dem Fuß“, Der Rettungssanitäter, 09/1979, S. 18 f.


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